Auch wenn wir dieses Jahr gefühlt einen Ganzjahressommer hatten, ist es in einigen Wochen wieder soweit: Weihnachten! Und damit verbunden die alljährlich wiederkehrende Frage nach dem passenden Geschenk für den Partner oder Familienangehörige. Wenn`s mal was ganz Besonderes für den besonderen Menschen sein darf, hätte ich da eine Idee… Du ahnst es bereits: eine Hundeschlitten-Tour!

Ich selbst durfte vor einiger Zeit in den Genuss dieses kleinen Abenteuers kommen und zeige dir im Folgenden alles, was du vorher wissen musst und was man dabei erleben kann.

 

Welcher Anbieter von Hundeschlitten-Touren ist der richtige?

Wenn man sich im Internet über die Angebote schlau machen will, gibt es verschiedene Dinge zu beachten. Ein wichtiges Kriterium ist sicherlich die Erreichbarkeit. In meinem Fall war die Rhön in der Mitte Deutschlands das naheliegendste Gebiet mit erhöhter Schneewahrscheinlichkeit im Winter. Als Anfänger sollte man außerdem nicht direkt mit einer 3-Tages-Tour anfangen, sondern einen Schnupper- oder Tageskurs machen. Darüber hinaus versuche ich immer direkt bei den Anbietern zu buchen und nicht über Reisefirmen bzw. Drittanbieter. Nachdem ich meine Kriterien gesetzt hatte, habe ich nach einiger Zeit ein passendes Angebot gefunden und per Telefon gebucht.

Hierbei gilt es immer genau hinzusehen: Oft klingen die Angebote schön und gut, aber bei vielen ist man nur als Mitfahrer auf dem Schlitten dabei. Ich dagegen wollte auf jeden Fall selbst fahren – auch auf das Risiko hin, vom Schlitten runterzufliegen (dazu weiter unten mehr…). Angeboten wurde die Fahrt von Jörg Meissmer*, dessen Gesamtpaket und Preis-Leistungs-Verhältnis mir am geeignetsten erschien.

 

Die erste Begegnung mit dem Musher und den Hunden

Ich hätte Jake wirklich gerne mitgenommen, schließlich ist seine Heimat Kanada weltberühmt für die Hundeschlittenrennen, Musher und Huskys. Er als kurzbeiniger, halber Husky hätte allerdings höchstens auf dem Schlitten mitfahren können. Der Blick der Hunde, die den Schlitten ziehen, wäre sicherlich unbezahlbar gewesen. Aber gut. Man kann ja nicht alles haben. Stattdessen begleitete mich meine Freundin. Auch gut!

Wir kamen also am Vormittag dort an und wurden schon vom Musher – so heißt der Hundeschlittenführer – erwartet. Rund 20 Hunde leben auf dem Gelände, was man schon von einiger Entfernung hört. Uns wurden die Hunde vorgestellt und eine Einweisung in die Handhabung des Schlittens gegeben. An diesem Tag lag zwar Schnee, aber nicht genug, um auf einem echten Schlitten zu fahren. Deshalb hatte jeder einen Wagen mit Reifen, was allerdings keinen großen Unterschied zu der Version mit Kufen darstellt. Kann ich zwar gar nicht wissen, weil ich das noch nie mit einem “richtigen” Schlitten gemacht habe. Behaupte ich jetzt aber einfach mal so.

Das Hundeschlitten-Gespann wartet nur darauf, loszurennen
Die Huskys können es kaum erwarten, die Tour zu starten

 

Mit Vollgas durch den Wald und eine brenzlige Situation

Zusammen haben wir dann die Huskys vor die drei Schlitten gespannt und es konnte endlich losgehen. Nachdem der Musher und danach meine Freundin losgefahren waren, konnte auch ich die Bremse lösen und die energiegeladenen Vierbeiner konnten endlich das tun, was sie am liebsten mögen: RENNEN!

Endlich können die Huskys losrennen
Und los geht`s!

Alle Hunde sind vor Aufregung völlig ausgerastet und ja, ich gebe es zu: ich auch!
Diese Lebensfreude hat mich natürlich nicht kalt gelassen. Ist ja auch ganz praktisch bei Minusgraden und so… Ich fühle mich nun bereits als Teil des ganzen Rudels, auch weil wir alle dasselbe denken: „Los, los, los!“ Ich musste mich ordentlich am Schlitten festhalten, da ich die Beschleunigung etwas unterschätzt hatte – trotz Hinweis des Mushers. Der hatte vorne alles im Griff und lenkte den Schlitten, indem er seinen Hunden Kommandos gab. Die beiden Hundegespanne dahinter folgten ihm und somit mussten wir eigentlich nichts können, außer nicht runterzufallen. Klingt eigentlich einfach oder?

Wir fahren mit dem Hundeschlitten auf der Straße
Bei so vielen Hunden darf ich auch mal die Straße benutzen

Hm, ja. Im Prinzip schon. Nach einer Weile bekommt man eine gewisse Sicherheit im Lenken des Schlittens und man kommt auf tolle Ideen, z.B. Fotos machen. Hab ich auch gemacht. War aber keine gute Idee. Nach ein paar Bildern in der Tasche will ich noch mehr und tollere Fotos und verliere das eigentliche Fahren und Lenken etwas aus den Augen. Dabei drifte ich immer mehr nach rechts und versuche, mit einer Hand den Schlitten wieder Richtung Mitte zu lenken. Mit der Kamera in der anderen Hand war das aber nicht so leicht und ich näherte mich immer mehr dem Graben. Irgendwann fahre ich tatsächlich halb im Graben, halb auf der Strecke.

Irgendwie und mit größter Kraftanstrengung hab ich`s dann doch geschafft, wieder auf den Weg zu kommen und war einigermaßen froh. Wer fällt schon vom Schlitten und lässt die Hunde weiterrennen? Wäre ganz schön peinlich gewesen, aber hätte, hätte, Fahrradkette, letztendlich war es doch eine gute Sache, Bilder zu machen. Was die Hunde sich allerdings bei meinen Kunststückchen dachten, weiß ich nicht und will ich auch nicht wissen.

Ich stehe auf dem Schlitten und blicke auf die Huskys und in die Natur
So ist die Sicht von einem Schlitten aus

 

Ein tolles Erlebnis geht zu Ende

Nach einer ca. zweistündigen Fahrt durch die wunderbare Natur und schönen Wälder neigte sich die Fahrt dem Ende entgegen. Die Zunge der Hunde war nun deutlich länger und deutlicher sichtbar. Allerdings hätten sie durchaus noch lange weiterrennen können. Es ist wirklich bemerkenswert, wie stark und ausdauernd die – teilweise gar nicht so großen – Huskys sein können. Die ganze Fahrt war selbst für mich sehr anstrengend und ich habe seither noch viel mehr Respekt vor dem, was die Hundeschlittenteams bei mehrtägigen oder den gar ultimativen Rennen wie dem Yukon Quest oder Iditarod leisten. Hier dauert die Fahrt nicht nur viel länger, mit manchmal unter -50° Grad ist es dort auch eisig kalt.

Nach unserer Fahrt gab es Futter für die Hunde und in der Holzhütte unterhielten wir uns bei einer Brotzeit noch über diese spannende und anstrengende Fahrt und allgemein über das Thema Hunde. Mit einem guten Gefühl ging es für uns danach nach Hause.

Ich kann solche Husky-Touren jedem nur wärmstens empfehlen. Dafür eignet es sich natürlich, das Ganze zu Weihnachten zu verschenken oder auch einfach nur so. Wie bereits beschrieben, finden die Touren auch statt, wenn kein Schnee liegt und somit hat man auch kein Risiko, dass man enttäuscht wird.

Bei einer Hundeschlittenfahrt bekommt man ein sehr gutes Gefühl für die ursprüngliche Transportart in den kältesten Regionen der Welt. Es macht unglaublich viel Spaß und hat bei mir einen intensiven und bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich kann es jedem, der sich die Anstrengung zutraut, nur empfehlen. Und selbst für die nicht so ausdauernden Leute unter uns gibt es eine Möglichkeit: Man kann auf dem Schlitten auch als Mitfahrer dabei sein.

*Die Namensnennung und Verlinkung steht in keinem Zusammenhang mit dem Anbieter und erfolgte freiwillig. Ich habe für die Tour den vollen Preis bezahlt und keinerlei Vorteile erhalten.

 

 

 

 

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